Versorgungszuverlässigkeit ist die „Fähigkeit eines Elektrizitätsversorgungssystems, seine Versorgungsaufgabe unter vorgegebenen Bedingungen während eines festgelegten Zeitintervalls zu erfüllen“ (IEV) Im englischen auch „service reliability“ genannt.
Die Versorgungszuverlässigkeit ist einer der Grundpfeiler der Versorgungsqualität (siehe Abbildung 1). Damit ist die Qualität der elektrischen Energie gemeint, die beim Netzkunden ankommt. Ein anderer wichtiger Punkt auf dieser Ebene ist die Spannungsqualität, welche die Merkmale der Spannung (Amplitude, Frequenz, Flicker …) beschreibt. Der dritte Pfeiler, die Servicequalität, umfasst die Dienstleistungen, die der Energieversorger oder Netzbetreiber gegenüber dem Kunden erbringt. Ein gutes Beispiel ist: Ist jemand erreichbar, wenn bei mir der Strom ausgefallen ist? Dieser letzte Pfeiler ist in der Community umstritten, da es sich hierbei nicht um ein technisches Qualitätsmerkmal handelt. Dennoch wird er hier zur Vollständigkeit aufgeführt.

Doch wie lässt sich die Versorgungszuverlässigkeit bei Störungen von der Spannungsqualität unterscheiden? Im Wesentlichen spielt dabei die Länge der Störung eine Rolle. Dies soll Abb. 2 verdeutlichen. Kurz gesagt: Sobald man von einem Stromausfall sprechen kann, befindet man sich im Bereich der Versorgungszuverlässigkeit. Dabei spielt nicht nur eine Rolle, wie oft eine Störung auftritt, sondern auch, wie schnell eine Reparatur bzw. Wiederversorgung erfolgt.

Die Herstellung zuverlässiger Systeme kostet Geld, zum Beispiel durch den Einsatz redundanter Leitungen, siehe (n-1)-Kriterium. Demgegenüber stehen jedoch die Kosten, die bei verminderter Versorgungszuverlässigkeit entstehen, beispielsweise weil die Bundesnetzagentur jede Minute nicht versorgter Kunden dem Netzbetreiber in Rechnung stellt.
Es gibt also ein Optimum bei der Investition in Zuverlässigkeit und bei der Betrachtung der Kosten durch Versorgungsausfälle. Dies soll Abbildung 3 vereinfacht illustrieren.

Bei der Suche nach einem solchen Optimum helfen Netzberechnungsprogramme wie PowerFactory. Mithilfe von Zuverlässigkeitsanalysen unterstützen sie den Netzbetreiber beim Asset-Management und bei der Ausbauplanung.